VISIONARIUM 2 - Illusion und Wirklichkeit
Das Magazin „VISIONARIUM“ geht in die zweite Runde und mit
„Illusion und Wirklichkeit“ bekommt der geneigte Fan des abseitigen
Lesevergnügens, eine ganz neue Welt vorgestellt. Nicht nur die Geschichten sind
unwirklicher, nein auch die begleitenden Texte schlagen einen ganz anderen Weg
ein und entführen den Konsument in die Welt der Phantastik. Aber kann auch
Ausgabe 2 überzeugen, oder sind hier schon erste Abnutzungserscheinungen zu
erkennen?
Den Anfang macht diesmal die Geschichte von Gord Rollo, über
einen Jungen, der im Koma liegt und der durch die Hilfe einer alten Dame das
Beste aus der misslichen Lage macht. Die zweite und vielleicht sogar das
Highlight der zweiten Ausgabe, stellt die der jungen Autorin Edie Calie dar. In
ihrer Geschichte „At the Lake of Madness“, für welche sicherlich das ein oder
andere Werk von H.P. Lovecraft, als Inspirationsquelle gedient hat, verschlägt es
ein Pärchen an einen Ort, der von jeglichem Licht und Glück verlassen zu sein
scheint und in welchem das Grauen bereits auf die Unglücklichen wartet! Der
dritte im Bunde ist Melchior von Wahnstein, welcher bereits für die OMEN Bücher
(Review) verantwortlich war. Er erzählt die Geschichte eines Mediums, welcher
einen Weg geht, den sie besser nie gewählt hätte. Darüber hinaus wird Franz
Rottensteiner, der kreative Kopf hinter der lila Reihe aus dem Hause Suhrkamp,
zu einem Interview geladen. Zudem wird die US Serie True Detective genauer unter
die Lupe genommen. Abgerundet wird die zweite Ausgabe von einem
außergewöhnlichen und angsterregenden Bericht aus den Wäldern von Transsylvanien,
welchen Chefredakteur Bernhard Reicher am eigenen Leib erfahren durfte/musste.
So viel Mal zum Inhalt
der zweiten VISIONARIUM Ausgabe. Persönlich gesehen muss ich ganz klar
sagen, dass die Geschichten und auch die weiteren Texte sogar noch den guten
Eindruck der ersten Ausgabe übertreffen können. Mein Highlight war dabei die
Geschichte von Edie Calie, in welcher man sich als Lovecraft Fan sofort
heimisch fühlt. Sie schafft es dabei eine ungemein dichte Atmosphäre zu
kreieren, welche in einem Ende gipfelt, das fast schon Parallelen zu „Schatten
über Innsmouth“ darstellt und die innere Zerrissenheit der Hauptperson
aufzeigt.
Aber auch die anderen beiden Geschichten können überzeugen.
Gord Rollos Ausflug in die komatöse Welt eines kleinen Jungen, beginnt recht
unbeschwert, schafft es dadurch aber das Gespür für das Außergewöhnliche beim
Leser zu wecken und ihn so unaufhaltsam in diese Welt mitzunehmen. Zudem wird
gleichzeitig auch noch das Leben in der „normalen“ Welt beschrieben und so
erfährt man mit jeder Seite etwas mehr, über die wahren Hintergründe des
Unfalles, die den Jungen in diese Lage gebracht haben.
Melchior von Wahnsteins Geschichte über das Medium
kritisiert zunächst die Mediengeilheit der Menschheit und zeigt auf, wozu genau
dieser Wahn nach Entertainment andere Menschen treiben kann. Die Story an sich
ist dabei ein wenig vorhersehbar, dennoch schafft es von Wahnstein in seiner
Erzählung die eine oder andere Wendung einzubauen, die den Leser, dann auf
jeden Fall sprachlos und auch ein wenig angewidert zurück lassen wird.
Die drei enthaltenen Berichte sind wieder absolut lesenswert
geraten. Die analytische Interpretation der US Serie True Detective, zeigt zum
einen auf, welche kleinen Anspielung in dieser zu finden sind und zudem bekommt
man direkt Lust sich in diese Welt zu stürzen, um sie mit Haut und Haar zu
verschlingen. Auch das Interview mit Franz Rottensteiner, geschrieben von Dr.
Nachtstrom weiß zu gefallen und bringt einige Einblicke in die Arbeit eines
Herausgebers.
Bernhard Reichers Erfahrungen in Transsylvanien runden die
zweite Ausgabe dann hervorragend ab. Diese Schilderungen zeigen dann, dass das
Grauen gar nicht so weit von uns entfernt ist. Denn wer kennt es nicht, wenn er
allein in einem dunklen Wald ist und plötzlich die merkwürdigsten Geräusche
hört. Wenn man sich dann auch noch vorstellt, dass dies im Land von Dracula
geschieht, dann weiß man, wie es einem beim Lesen der Zeilen ergeht. Zudem
bekommt man einen wunderschönen Einblick in die Kultur Rumäniens und deren
Folklore.
Fazit: Auch die zweite Ausgabe von VISIONARIUM kann wieder
auf ganzer Linie überzeugen. Die Geschichten begeistern und die Berichte sind
sehr informativ, sowie spannend geschrieben. Ich kann nur jedem Fan der
Phantastik empfehlen sich dieses Werk zuzulegen und so, auf den einen oder
anderen unbekannten Autor zu stoßen. Uneingeschränkte Leseempfehlung!
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