Mittwoch, 4. November 2015

Kurzfilm Review: Vice Versa

Vice Versa


Die kreativen Köpfe aus Deutschland meinen es dieses Jahr sehr gut mit dem interessierten Filmliebhaber. Besonders im Kurzfilm Bereich steigt der Output immer mehr und auch die Qualität wird immer höher. Seien es kurze Splatterfilme, experimentell angehauchte Gruselstreifen oder Werke, die jedwede Kategorisierung vermissen lassen. Bei Vice Versa handelt es sich um einen der letztgenannten Werke. Doch kann das Kurzfilmprojekt auch überzeugen oder dürfte der wilde Genre Mix das Einzige sein, was bei diesem Film für Aufsehen sorgt? 

Ein harmloser Tramper sucht nach einer Mitfahrgelegenheit. Bald schon hält der erste nette Mensch an und lässt ihn einsteigen. Doch als dieser nach wenigen Minuten unbemerkt vom Tramper, seinen Darmgasen freien Lauf lässt, bricht der arme Beifahrer die Fahrt sofort ab. Das nächste Pärchen wirkt komisch und fast schon zu konservativ, also steigt er lieber gar nicht erst ein. Nach einigen Stunden kommt endlich ein vernünftiger Fahrer und bietet die so lang ersehnten Fahrt nach Hause an. Doch als sie am Haus des Trampers ankommen, wendet sich das Blatt und das Grauen beginnt.


Ohne jetzt direkt zu viel von Vice Versa verraten zu wollen, immerhin lebt das Werk von seinen unzähligen Wendungen, kann man eins auf jeden Fall sagen: Vice Versa ist ein ungemein ambitioniertes und äußerst kurzweiliges Filmprojekt aus Deutschland geworden. Dabei ist eins ratsam. Man sollte es tunlichst vermeiden, vor Genuss des Films irgendetwas darüber zu wissen. Denn gerade diese Ungewissheit macht den Unterhaltungswert aus. Zunächst erwartet man eine Art Komödie oder Drama, doch sobald man am Haus des Trampers ankommt, kommt immer mehr Licht ins Dunkel.


Die Schauspieler machen ihre Sache dabei sehr gut und man merkt, dass viel Liebe und Herzblut in die Entstehung des Werks geflossen ist. Besonders schön ist, wenn man sich nach dem Ende noch das unterhaltsame Bonusmaterial zu Gemüte führt. Im Making of behind the Outtakes, allein der Titel sagt schon alles, sieht man wie einige Szenen oft mehrmals versucht wurden, um das Maximum heraus zu holen.


Die Kameraführung ist für ein Debütwerk grundsolide umgesetzt und weiß zu gefallen, ohne sich irgendwelche groben Schnitzer zu erlauben. Auch die Atmosphäre, welche mit jeder Minute dichter und glaubwürdiger wird, punktet auf ganzer Linie. Sogar eine kurze experimentell angehauchte Szene gibt es zu entdecken, wobei man davon gerne mehr gesehen hätte. Dies ist dann leider auch der Tenor, der nach dem Abspann zurück bleibt. Der Film bietet einige sehr gute Ideen, die leider nicht gänzlich ausgereizt werden und einem mit dem Hunger nach mehr zurück lassen. Das Ende kommt einfach zu schnell. Einige Ideen wurden nur kurz angerissen und dann fallen gelassen, ohne wirklich ausgearbeitet zu werden. Hier wäre bei einer längeren Laufzeit deutlich mehr drin gewesen. Wünschenswert wäre, wenn das Team sich dem Projekt nochmal widmen und gegebenenfalls noch eine längere Fassung auf den Markt werfen würde. Die Voraussetzungen sind zweifelsohne vorhanden.


Fazit: Vice Versa ist ein tolles Projekt mit guten Ideen geworden, welches durch die zu kurze Spielzeit und die nicht ganz vollendeten Ideen ein wenig strauchelt. Tolle Schauspieler, dichte Story und eine gute Cinematography sorgen für ein stimmiges Gesamtbild. Definitiv einen Blick wert!!



Zur Veröffentlichung: Der Kurzfilm kommt in einer schlichten Amaray daher. Die Bildqualität ist sehr gut und auch der Ton erlaubt sich keine Aussetzer. Zudem gibt es zu dem Film auch englische und spanische Untertitel. Besonders löblich ist, dass es sich bei der DVD, um eine gepresste Scheibe handelt und nicht wie im Independent Bereich üblich, um einen Rohling. Das Bonusmaterial bietet einige nette Einblicke hinter die Kulissen und rundet das Gesamtpaket ab. Die Scheibe ist direkt bei den Machern erhältlich (Link). 

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